„Ohne Heimatvereine sähe es düster aus“

Interview mit Kreisheimatpfleger Alfred Janning, der kürzlich im Amt bestätigt wurde

KREIS BORKEN. Einstimmig hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause der Kreistag die Kreisheimatpfleger als Vertreter der 45 Heimatvereine im Kreis Borken in ihrem Amt bestätigt. Mit Kreisheimatpfleger Alfred Janning (65) aus Legden sprach Redakteur Josef Barnekamp über Aufgaben, Wünsche, den Nachwuchs und die Zukunft der plattdeutschen Sprache.


BZ: Herr Janning, Sie sind kürzlich als Kreisheimatpfleger vom Kreistag bestätigt worden. Haben Sie gerne „Ja“ gesagt?

Janning: Das habe ich gern getan, ja. Weil ich an dieser Arbeit Spaß habe. Nachdem ich einige Jahre Stellvertreter war, bin ich 2009 zum Kreisheimatpfleger gewählt worden von den Heimatvereinen des Kreises – einstimmig. Auch in diesem Jahr sind mein e beiden Stellvertreter, Georg Ketteler und Alois Mensing, und ich wiedergewählt worden.

BZ: Was bedeutet Heimat für Sie?

Janning: Für mich bedeutet Heimat die Gegend, in der ich groß geworden bin. Ich bin im Alter von gut zwei Jahren nach Legden gekommen und der Hof, den wir seinerzeit bewirtschaftet haben, ist für mich immer noch der Platz, der Gefühle weckt. Für mich ist Heimat auch der Ort, wo man als Kinder mit den anderen aus dem Dorf spielte.

BZ: Zu Ihrer Arbeit. Worum muss sich ein Kreisheimatpfleger alles kümmern?

Janning: Es gibt viele Sachen, die alle Heimatvereine angehen. Wir machen beispielsweise hier im Bereich Altkreis Ahaus eine Frühjahrs- und eineHerbsttagung. In diesen Runden besprechen wir etwa Fragen wie „Was können wir machen“. Zurzeit habe ich ein wenig Hoffnung, dass der Bürgerfunk wieder ein Kapitel für uns sein wird. Da das neue Landesmediengesetz festlegt, dass der Bürgerfunk wieder um 20 Uhr beginnen kann (und nicht erst wie bislang um 21 Uhr) können wir die plattdeutsche Sprache vielleicht ein wenig mehr nach vorne rücken.

BZ: Stichwort plattdeutsche Sprache: Lässt sich deren Aussterben noch verhindern, sind Aktionen wie der
plattdeutscher Lesewettbewerb noch zeitgemäß?


Janning: Auf jeden Fall. Dass die plattdeutsche Sprache völlig untergehen wird, glaube ich nicht. Wenn man die Zeitung durchguckt: Überall im Kreis Borken werden Theaterstücke gespielt – in Mundart. Wie viele junge Leute sich dann hinsetzten und Mundart lernen... Wir sind im Moment dabei, auf Regierungsbezirksebene zu versuchen, plattdeutschen Unterricht in die Schulen zu bringen. Es sieht auch so aus, dass das positiv entschieden wird. Dann brauchen wir natürlich Lehrer, die mit uns die plattdeutsche Sprache an die Kinder weitergeben.

BZ: Gibt es dieses Lehrpersonal noch?

Janning: Das ist wirklich die Frage. Wenn die Entscheidung fällt, dass Plattdeutsch wieder in der Grundschule gelehrt werden darf, dann werden die Schulen ausgesucht und dann werden wir natürlich mit den Lehrkräften daran arbeiten, dass die das machen. Wir stellen aber fest, dass an den Schulen oft nur Lehrkräfte sind, die von auswärts kommen, die den Ort wenig kennen und die natürlich auch die Sprache nicht in dem Maße kennen. Sie kümmern sich auch um die Heimatvereine. Diese haben einen hohen Altersdurchschnitt.

BZ: Wie kriegt man jüngere Menschen in die Heimatvereine?

Janning: Leider haben wir kein Patentrezept. Wir stellen aber fest, dass ab einem gewissen Alter, so 40 bis 45 Jahre, dass dann Menschen wieder mehr Zeit haben, sich an verschiedene Themen heranzutasten, sei es über das Thema Blumengarten oder die Heimatgeschichte. Junge Leute zu begeistern ist schwierig, weil diese kaum noch Zeit haben, auch weil heutzutage Schulunterricht bis in die Nachmittagsstunden hineingeht. Wir versuchen es hier in Legden mit dem plattdeutschen Jugendtreff. Das ist eine Gruppe, die sich einmal im Monat trifft, um die plattdeutsche Sprache zu lernen und zu sprechen. Am plattdeutschen Nachmittag treten sie dann mit Sketchen auf. Man merkt an den Zuschauerzahlen, dass das ankommt.

BZ: Wenn Sie auf das Regionale 2016 Projekt „Kulturhistorisches Zentrum“ schauen, was erwarten Sie sich davon für die Arbeit der Heimatvereine,
wie wollen die Vereine sich einbringen?


Janning:Ideen gibt es auf jeden Fall. Wir haben ja auch die ganze Planung mitbekommen. In Vreden wird die Möglichkeit bestehen, gemeinsam zu lernen. Ich bin der Meinung, dass wir durch die Konzentration der Archive ein Zentrum finden, in dem Heimatvereine sich austauschen können, wo wir dann auf Literatur zurückgreifen können. Die Zukunft der Regionalgeschichte und der Museen liegt im Netz, da wird mehr Austausch möglich sein.

BZ: Gibt es noch einen Wunsch, den Sie für Ihre Amtszeit haben?

Janning: Ich wünsche mir, dass wir Heimatvereine untereinander weiter den Austausch der Informationen aus den Archiven vorantreiben. Ein Beispiel ist der Arbeitskreis Genealogie, der 160.000 Totenzettel aus dem gesamten Kreis Borken gesammelt hat. Da liefern alle Mitglieder Informationen zu. Unterm Strich gibt es so einiges, was die Heimatvereine vor Ort machen, zum Beispiel Denkmalpflege oder Ausstellungen zu bestimmten Themen. Ohne Heimatvereine in den einzelnen Orten würde es manchmal düster aussehen.

Quelle: Borkener Zeitung (BZ) vom 19. Juli 2014
Autor, Foto: Josef Barnekamp

 


Alfred Janning aus Legden wurde kürzlich für die kommenden sechs Jahre als Kreisheimatpfleger bestätigt. Der 65-Jährige hat das Amt seit 2009 inne. Er war 31 Jahre lang Vorsitzender des Heimatvereins Legden.